Die Flucht vor dem Weiblichen – Eine Pathologie des Zeitgeistes

Eine Zusammenfassung des Buches von Karl Stern

Teil 1

Einführung von Christl R. Vonholdt

Die neurotische Angst vor dem Empfangen

Ein bestimmter Aktivismus ist typisch für unsere Zeit. Er beruht auf einem fehlenden Ausgleich zwischen Tun und Kontemplation. Menschen, die davon betroffen sind, arbeiten meist hart und viel, stellen hohe Anforderungen an sich selbst und andere, weichen aber zugleich der Freude des einfachen Empfangens und jeder Form gesunder, passiver Aufnahmebereitschaft aus. Es ist, als könnten sie sich nicht öffnen. Wenn der Arzt diese Menschen zu Gesicht bekommt, leiden sie überdurchschnittlich häufig an Magengeschwüren. Äußerlich wehren sie sich zwar energisch gegen jedes „Gepäppeltwerden“, Autonomie und Selbständigkeit sind ihr Motto. In der Tiefe ihrer Seele aber, bis ins Leibliche hinein, hält sich ein außerordentlich großes Bedürfnis nach Bemutterung und Versorgung. Ihr Magen rebelliert gerade deshalb, weil er nicht „gefüttert“ wird. Dabei geht es aber nicht nur um Nahrungsaufnahme, sondern um Aufnahme in einem viel umfassenderen Sinn, letztlich um die Aufnahmebereitschaft für die Liebe, um die Fähigkeit, sich in einer kindlichen Haltung des Vertrauens öffnen und anvertrauen zu können. Wenn der Therapeut diesen Menschen begegnet, findet er auf dem tiefsten Grund ihrer psychischen Struktur einen ungelösten Mutterkonflikt, eine Abwehr des Weiblichen.

Hier lesen Sie den 1. Teil des Textes: Flucht vor dem Weiblichen – Teil 1 »

Hier lesen Sie den 2. Textes: Flucht vor dem Weiblichen – Teil 2 »